Führerschein und Probezeit

Führerschein und Probezeit

Sobald Du die Fahrprüfung bestanden hast, lockt die große Freiheit im Straßenverkehr. Doch viele Fahranfänger sind unsicher, was die Probezeit angeht und fürchten bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung harte Strafen.

Junge Erwachsene haben im Straßenverkehr das höchste Unfallrisiko. Um sich im alltäglichen Straßenverkehr sicher zu bewegen und die Abläufe dort zu verinnerlichen, gibt es seit 1986 die zweijährige Probezeit für Fahranfänger. Fehlverhalten soll durch Sanktionen gegen bestimmte Verstöße korrigiert werden. Die Aussicht auf härtere Strafen bei Verstößen gegen das Verkehrsrecht führte zu einer deutlichen Abnahme der Verkehrsunfälle in dieser Altersgruppe.

Besonderheiten in der Probezeit

  • Auch wenn Du Deinen Führerschein A1 (Moped) bereits mit 16 Jahren gemacht hast, gilt für Dich ebenfalls eine Probezeit von 2 Jahren. Solltest Du danach noch den Führerschein der B-Klasse machen, verkürzt sich Deine Probezeit entsprechend
  • Leistest Du Dir als Fahranfänger eine Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von 60 Euro oder weniger, hat dies keine Auswirkungen auf Deine Probezeit. Dazu gehören auch folgende Vergehen: Missachtung der Vorfahrt ohne Gefährdung, Überschreitung der Parkzeit oder die Überschreitung der Geschwindigkeit um weniger als 20 km/h
  • Als Fahranfänger unter 21 Jahren gilt für Dich die Null-Promille-Grenze. Für Fahranfänger über 21 Jahren liegt die Promillegrenze wie auch für alle anderen Besitzers eines Führerscheins bei 0,5 Promille

A- und B-Verstöße in der Probezeit

In der Probezeit kann Dich bei Verstößen gegen das Verkehrsrecht neben den „normalen“ Sanktionen des Bußgeldkatalogs auch eine Verlängerung der Probezeit auf bis zu vier Jahre insgesamt erwarten. Verstöße, die besondere Sanktionen nach sich ziehen, werden A- und B-Verstöße genannt und finden sich in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV).

A-Verstöße: schwerwiegende Verkehrsverstöße

Ein A-Verstoß bezeichnet eine schwerwiegende Zuwiderhandlung, also ein schweres Vergehen während der Probezeit. Dabei geht es sowohl um Straftaten als auch um Ordnungswidrigkeiten.

Zu den A-Verstößen gehören:

  • Geschwindigkeitsüberschreitung (mit mehr als 20km/h)
  • Abstandsvergehen
  • Verstöße beim Überholen
  • Missachtung der Vorfahrt
  • Abbiegevergehen
  • Missachtung des Rechtsfahrgebots
  • Alkohol am Steuer
  • Rechtswidriges Verhalten am Bahnübergang
  • Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
  • Verstöße an Fußgängerüberwegen
  • Fahren ohne Begleitperson beim Führerschein ab 17 Jahren

Nach einem A-Verstoß befindest Du Dich als Fahranfänger in der verlängerten Probezeit. Die Probezeit kann nur einmalig auf insgesamt 4 Jahre verlängert werden.

Bei zwei A-Verstößen erhältst Du eine schriftliche Verwarnung und Dir wird eine Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung (MPU)  empfohlen (freiwillig).

Nach drei A-Verstößen erfolgt der Entzug der Fahrerlaubnis. Außerdem wird eine Sperrfrist verhängt. Erst nach Ablauf kann die Neuausstellung des Führerscheins beantragt werden.

Konsequenzen der A-Verstöße

TatbestandKonsequenz
Ein A-VerstoßProbezeitverlängerung um weitere zwei Jahre, Aufbauseminar
A-Verstoß im Zusammenhang mit Alkohol oder DrogenBesonderes Aufbauseminar
Erster A-Verstoß in verlängerter ProbezeitVerwarnung, Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung (MPU)
Zweiter A-Verstoß in verlängerter ProbezeitEntzug der Fahrerlaubnis

B-Verstöße: weniger schwerwiegende Verkehrsverstöße

B-Verstöße gehören zu den weniger schwerwiegenden Verstößen im Straßenverkehr. Dabei zählen zwei B-Verstöße als ein A-Verstoß und werden entsprechend bestraft.

Zu den B-Verstößen gehören:

  • Überziehung der Hauptuntersuchung
  • Nicht vorschriftsmäßige Mitnahme von Kindern im Auto: Kinder sind nicht angeschnallt
  • Missachtung der Vorschriften zur Ladungssicherung
  • Abgefahrene Reifen
  • Parken auf der Autobahn
  • Behinderung von Feuerwehr, Notarzt oder Polizei
  • Falsche oder nicht vorhandene Absicherung eines liegengebliebenen Fahrzeuges

Ein B-Verstoß hat noch keine Auswirkungen auf die Probezeit.

Bei zwei B-Verstößen allerdings wird Deine Probezeit auf vier Jahre verlängert. Außerdem musst Du an einem Aufbauseminar teilnehmen.

Weitere B-Verstöße führen zu einer schriftlichen Verwarnung und Dir wird eine freiwillige Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung (MPU) nahegelegt.

Bei insgesamt vier B-Verstößen, wird Dir die Fahrerlaubnis entzogen. Außerdem befindest Du Dich in einer Sperrfrist. Innerhalb dieser darfst Du keinen Antrag auf Neuerteilung des Führerscheins stellen. Die Dauer der Sperrfrist beträgt mindestens sechs Monate, wird aber im jeweiligen Einzelfall individuell festgelegt. Erst drei Monate vor Ende der Sperrfrist darfst Du einen Antrag auf Neuerteilung Deiner Fahrerlaubnis stellen.

Konsequenzen bei B-Verstößen

TatbestandKonsequenz
Ein B-Verstoßkeine
Zweiter B-VerstoßProbezeitverlängerung um weitere zwei Jahre, Aufbauseminar
Erster B-Verstoß in verlängerter Probezeitkeine
Zweiter B-Verstoß in verlängerter ProbezeitVerwarnung, Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung (MPU)

Sowohl für Fahranfänger, als auch für die „alten Hasen“ im Straßenverkehr gilt vor allem: Halte Dich an die Verkehrsregeln und nimm Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer!