MPU

MPU – Medizinisch Psychologische Untersuchung

Wenn Du Deinen Führerschein wegen eines Verkehrsdelikts verloren hast, hast Du oft nur durch die Medizinisch Psychologische Untersuchung, MPU oder auch „Idiotentest“ genannt, die Möglichkeit, Deine Fahrerlaubnis zurück zu bekommen. Doch mit dummen Fragen hat diese Untersuchung nichts zu tun, denn Du wirst umfassend auf deine Lebensumstände, Reflexe, Fahrvermögen und Konfliktverhalten getestet. Die MPU hat einen schlechten Ruf, denn viele Mythen kursieren rund um diese Untersuchung, vor allem, was die Absurdität der Fragen und die Voreingenommenheit der Prüfer angehen. Zu Unrecht, denn jeder Teilnehmer wird unvoreingenommen und fair beurteilt. Eine gründliche Vorbereitung auf die MPU ist deshalb sinnvoll und erhöht die Chancen, Deinen Führerschein wieder zu erlangen.

Hier findest Du eine Übersicht zu den wichtigsten Fragen rund um die MPU:

Wann ist eine MPU notwendig?

Die Gründe, warum Du Deine Fahrerlaubnis nur durch das Bestehen einer MPU wiederbekommen kannst, sind vielfältig.

Eine MPU musst Du machen, bei:

  • Blutalkoholwert von mindestens 1,1 Promille
  • mehreren kleineren Alkoholvergehen am Steuer
  • Drogenkonsum
  • Begehung von Straftaten im Straßenverkehr
  • Wiederholtem Entzug der Fahrerlaubnis z.B. durch zu schnelles Fahren
  • psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen
  • 8 oder mehr Punkten in Flensburg (siehe Übersicht)

Wann kann ich mich zur MPU anmelden?

Derjenige, der seinen Führerschein wiederbekommen möchte, muss auch den Wiedererteilungsantrag bei der Führerscheinstelle, die ihn zur MPU aufgefordert hat, einreichen. Dies kannst Du in der Regel ca. drei Monate vor Ende der Sperrfrist machen. Im Anschluss daran musst Du der Führerscheinstelle auch mitteilen, wo Du begutachtet werden wirst. Sie schickt deine Akte dann an die genannte Begutachtungsstelle. Ist sie dort eingegangen, erhältst Du einen Termin zur MPU.

Wo kann ich eine MPU machen?

Es gibt verschiedene Träger, bei denen Du eine MPU durchführen lassen kannst. Es handelt sich dabei um amtlich anerkannte Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF). Dazu gehören zum Beispiel der TÜV oder die DEKRA.

Dein Gutachten, welches nach der MPU über Deine Fahrtüchtigkeit angefertigt wird, musst Du der Führerscheinstelle vorlegen. Diese entscheidet dann, ob Du Deine Fahrerlaubnis wiederbekommst, was bei einem positiven Gutachten in der Regel auch der Fall ist.

Was kostet eine MPU?

Die MPU muss im Voraus bezahlt werden. Ist das Geld bei der Prüfstelle eingegangen, wird ein Termin mit Dir vereinbart.

Bis Juli 2018 waren die Gebühren deutschlandweit festgelegt. Heute können sie, je nach Prüfstelle, deutlich variieren. Daher ist es ratsam, die Gebühren vorher zu erfragen und sie miteinander zu vergleichen. Die Spanne liegt zwischen 400 und etwa 900 Euro.

Gutachten, die aufgrund von zu viel Punkten in Flensburg oder Straftaten erstellt werden müssen, sind günstiger als Gutachten zu Alkohol- oder Drogenvergehen.

Vorbereitung auf die MPU

Du solltest Dich nach Entzug der Fahrerlaubnis so früh wie möglich darüber informieren, was im Rahmen der MPU auf Dich zukommt. Das betrifft den Ablauf der MPU an sich aber auch mögliche Vorbereitungskurse und ggf. Abstinenznachweise.

Auch ohne einen Vorbereitungskurs kannst du die MPU bestehen. Allerdings ist eine gründliche Vorbereitung in jedem Fall anzuraten, denn die Durchfallquote liegt immerhin bei bis zu 50%. Je früher Du mit der Vorbereitung anfängst, desto höher sind Deine Chancen, die MPU im ersten Anlauf zu bestehen.

In jedem Fall sind MPU-Vorbereitungskurse nicht billig und deshalb entscheidet oft das Budget des Betroffenen über Einzel-Coaching bei einem Verkehrspsychologen oder einem Seminar.

Auf Infoabenden hast Du bei vielen Beratungsstellen die Möglichkeit, Dir verschiedene Institutionen anzuschauen und später eine passende für Dich auszuwählen.

Beratungsgespräch oder Vorbereitungskurs?

Hilfreich kann ein Beratungsgespräch mit einem Verkehrspsychologen sein.  Allerdings wird dieser Dich nicht während der eigentlichen MPU beurteilen, sondern ein anderer Experte, das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Das Beratungsgespräch kostet um die 100 Euro.

Aber auch Vorbereitungskurse sind sehr beliebt. Hierbei ist es wichtig, dass Du auf einen seriösen Anbieter achtest, denn viele schwarze Schafe mit überteuerten Kursen und einer garantierten „Erfolgsgarantie“ machen eine Auswahl nicht leicht. Es gibt individuell auf dich zugeschnittene Kurse sowie Kurse mit mehreren Teilnehmern. Weiterhin kannst Du auch Vorbereitungskurse mit Themenschwerpunkt Alkohol oder Drogen auswählen.

Wenn Du Dich für eine individuelle Vorbereitung mit einem Psychologen entscheidest, solltest Du für zehn Sitzungen mit Kosten von etwa 1.000 Euro rechnen.

Worauf solltest Du bei der Auswahl eines Anbieters für einen MPU Vorbereitungskurs achten?

  • Kostenlose Vorgespräche, in denen Dir die Kursthemen und die Kosten erklärt werden
  • Der Kurs wird Deinen Bedürfnissen angepasst
  • Das Beratungsgespräch wird dokumentiert
  • Die Kursleiter haben eine verkehrspsychologische Ausbildung, die sie auch nachweisen können
  • Du erhältst eine schriftliche Teilnahmebestätigung und eine Einschätzung Deiner „Leistung“

Je nach Schwere Deines Vergehens hast Du Möglichkeit, die Sperrfrist zur Beantragung Deiner Fahrerlaubnis durch die Teilnahme an einem MPU-Vorbereitungskurs zu verkürzen.

Abstinenznachweise

Wenn Du Deinen Führerschein aufgrund von Trunkenheitsfahrten oder Drogenmissbrauch abgeben musstest, kann es sein, dass Du zusätzlich zur bestandenen MPU einen Abstinenznachweis erbringen musst. Auskunft darüber gibt Dir die von Dir beauftragte Begutachtungsstelle.

Bei einem Abstinenznachweis werden Dein Haar oder Dein Urin zum Beispiel auf das Alkohol-Abbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) untersucht.

Ein Urinscreening kann sich über sechs oder 12 Monate hinziehen. Im Laufe dieser Zeit wirst Du unangekündigt 24 Stunden vorher über die Proben, die Du abzugeben hast, informiert.

Für eine Haaranalyse müssen Deine Haare ausreichend lang und nicht gefärbt oder getönt sein. Zum Nachweis einer einjährigen Alkoholabstinenz werden vier Haaranalysen, zum Nachweis einer einjährigen Drogenabstinenz zwei Haaranalysen vorgenommen.

Abstinenznachweise kannst Du bei vielen Begutachtungsstellen der MPU beantragen, es gibt sogar Ärzte mit der entsprechenden Qualifikation, die solche Untersuchungen durchführen können.

Es empfiehlt sich auch hier, mehrere Anbieter im Vorfeld zu vergleichen, da die Kosten für die Abstinenznachweise stark variieren können. Pro Untersuchung musst Du mit bis zu 220 Euro rechnen. Bei Haaranalysen sind die Nachweise aufwendiger und dementsprechend teurer. Die Gesamtkosten betragen hier um 600 Euro.

Wie läuft die MPU selbst genau ab?

Für die MPU musst Du etwa drei bis vier Stunden einplanen. Sie besteht aus drei Teilen, deren Reihenfolge nicht festgelegt ist:

  • Testdiagnostik
  • Verkehrsmedizin
  • Verkehrspsychologie

Bei der Anmeldung werden Dir verschiedene Fragebögen ausgehändigt. Diese enthalten Fragen zum Führerschein, zu Deinen persönlichen Verhältnissen sowie medizinische Fragen und werden von einem Verkehrspsychologen ausgewertet. In die Analyse Deiner Antworten fließen auch die Belege über Abstinenz oder ggf. eine Therapie ein, die Du absolvieren musstest.

Die Untersuchungen im Einzelnen:

Testdiagnostik:

Bist Du in körperlich in der Lage, ein Fahrzeug zu führen? Das soll in diesem Test herausgefunden werden. Es werden Deine Reaktionszeit, Konzentrationsvermögen und Deine Aufmerksamkeitsleistung anhand von verschiedenen Aufgaben geprüft. Die Reaktionstests werden am Computer durchgeführt. Solltest Du diesen Test nicht bestehen, wird Deine Eignung noch einmal in einem Fahrverhaltenstest geprüft.

Verkehrsmedizin:

In dem Gespräch mit einem Arzt geht es um Deine medizinische Vorgeschichte.

  • Schließen relevante Krankheiten oder Drogen- oder Alkoholabhängigkeit Deine Teilnahme am Straßenverkehr aus?
  • Sprechen körperliche Mängel gegen Deine Teilnahme am Straßenverkehr?
  • Liegen bei Dir Hinweise auf missbräuchlichen Alkohol- oder Drogenkonsum vor?

Fragen zum Trinkverhalten, Krankheiten, die Einfluss auf die Leberwerte haben, werden abgefragt. Außerdem wird eine körperliche Untersuchung vorgenommen und Proben wie Blut und Urin genommen.

Das psychologische Gespräch:

Im dritten und letzten Teil der MPU sitzt Du in einem Gespräch einem Verkehrspsychologen gegenüber. Er möchte von Dir wissen, wie sich Dein Verhalten seit Deinem Führerscheinentzug verändert hat und will sicherstellen, dass Du nicht in alte, schlechte Verhaltensmuster zurückfällst.

Da jeder Verkehrspsychologe anders an das Gespräch herangeht, kann man im Vorfeld nicht sagen, welche Fragen Dir gestellt werden. Es wird in jedem Fall um Deine Lebenssituation gehen, aber auch um den Anlass der MPU. Bei Alkoholvergehen soll Deine Einstellung zu Alkohol am Steuer herausgefunden werden und es sollte im Laufe des Gesprächs deutlich werden, dass Du aus Deinem Fehlverhalten gelernt hast und Dich in Zukunft korrekt im Straßenverkehr verhalten wirst.

Das Ergebnis der MPU:

Das Ergebnis der MPU wird Dir per Post mitgeteilt. In der Regel dauert das ein bis zwei Wochen. Nur bei einem positiven Gutachten bekommst Du Deinen Führerschein zurück. Die Bearbeitungszeit bei der Führerscheinstelle beträgt hierfür in etwa eine Woche.

Gibt es weder ein positives noch negatives Gutachten, erfolgt die Empfehlung für eine verkehrspsychologische Nachschulung (nach § 70 FeV). Das bedeutet, bei Dir sind dauerhafte Verhaltensänderungen erkennbar, diese haben sich aber noch nicht verfestigt. Nach der Teilnahme an dieser Nachschulung erhältst Du den Führerschein zurück. Die Schulung erfolgt an mehreren Terminen mit mehreren Teilnehmern. Für die Nachschulung werden noch mal 400 Euro fällig.